Kriebethal
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Geschichte Firma Niethammer

Die Kriebsteiner Mühle gehört bis zum Jahre 1809 zum Rittergut Kriebstein und untersteht ihm bis zum 27. Nov. 1833 in Erbpacht. An diesem Tag geht sie in freies Eigentum von Joh. August Wilhelm Lüderitz über, welcher die Mahlmühle zu einer Öl-, Graupen- und Schneidemühle erweitert. 1842 gerät Lüderitz in Konkurs. Reste seiner letzten Ruhestätte findet man noch auf dem Friedhof zu Beerwalde. Nach verschiedenen Besitzerwechseln brennt 1844 die Kriebsteiner Mühle ab. Nachweislich ist die Feuerwehr des Spritzenverbandes Ehrenberg- Schönberg- Kriebethal mit dem Spritzenstandort in Ehrenberg, im Einsatz.
Die wieder aufgebaute Mühle geht durch Kauf am 16. Juli 1853 an Friedrich Wilhelm Gustav Pohl über, der an Stelle der Öl- und Graupenmühle eine Papierfabrik einrichtet. Im Sommer 1854 wird der Direktor dieser Papierfabrik vom Triebwerk der Papiermaschine erfasst und so verletzt, dass er wenige Wochen später verstirbt. An seine Stelle wird Fritz Kübler berufen. Dieser hat mit Albert Niethammer zusammen eine 4 ½jährige Lehre bei der Firma Heinrich Völters Söhne, Papierfabrik in Heidenheim durchlaufen. Im Dezember 1855 besucht Albert Niethammer im Auftrage Völters Kriebstein, um über die Einführung der Holzmassezubereitung
(eine Holzschleiferei) und den Kauf eines rotierenden Hadernkochers zu unterhandeln. Um diese Zeit wird Papier noch aus Hadern und Lumpen hergestellt. Die Produktion von Papier mittels Holzschliff steckt 1854/55 noch in den ersten Anfängen. Der Papierfabrikant Heinrich Völters kann dem Erfinder des Holzschliffs, Herrn Gottlob Keller aus Hainichen, diese Erfindung abkaufen. Henrich Völters und sein Nachbar, der Maschinenfabrikant Matthias Voith, beide in Heidenheim ansässig, stellen langwierige und kostspielige Versuche an, Holzschliff zu erzeugen und diesen für die Papierherstellung verwendungsfähig aufzubereiten.
Auch Herr Pohl, möglicherweise angeregt durch Fritz Kübler, befasst sich mit dem Aufstellen solcher „Schleifapparate“ und der Verarbeitung des Holzschliffs zu Papier. Aktenkundig ist, dieses Vorhaben scheitert an Herrn Sahrer von Sahr zu Ehrenberg. Herr Pohl hätte dazu ein zweites Wehr anlegen müssen. Herrn Sahrer von Sahr, Besitzer des Rittergutes Ehrenberg, gehört aber nicht nur das Wasser der Zschopau, sondern auch die Hälfte des Flussbettes und das Ehrenberger Ufer. Zum Anlegen eines Wehres und dessen Nutzung werden Ufer, Flussbett und Wasser benötigt. So kann Herr Pohl die Auseinandersetzung mit dem Ehrenberger nicht für sich
entscheiden. Als Anfang 1856 Pohl des Betriebes überdrüssig, die Fabrik entweder verkaufen oder verpachten will, kommt es am 15. März 1856 zu einem Pachtvertrag über 12 Jahre zwischen Gustav Pohl als
Verpächter und Fritz Kübler und Albert Niethammer als Pächter über die Papierfabrik in Kriebstein
. Der Pachtvertrag ist so ausgelegt, dass die Pächter die Papierfabrik unter dem Namen „Kübler &
Niethammer“ führen dürfen. Dass die neuen Pächter nicht nur die Mahlmühle eine Zeit lang weiter führen, sondern auch die Schneidemühle, beweisen Rechnungen über das Schneiden von Brettern für Herrn von Arnim auf Kriebstein, unterzeichnet von Albert Niethammer aus dem Jahre 1864. Vorher, 1858 überschwemmt ein Sommerhochwasser die Fabrik, richtet großen Schaden an und bringt zwei Tage Stillstand.
Die Wassernutzung teilt sich die Papierfabrik, die das Vorrecht hat, mit der Mahlmühle mit 4 Gängen und der Schneidemühle. Von der Ausnutzung, aber auch von der räumlichen Beschränktheit kann man sich ein Bild machen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass 1856 in dem Hauptgebäude eine Papiermaschine, Lumpenböden, Hadernschneider, ein Wolf, elf Holländer und ein Schleifapparat mit dazugehörigem Triebwerk (zum Herstellen von Holzschliff), Pumpen, etc. Filzwäsche, Stoffkästen, Packsaal mit Satiniermaschine, einige Magazinräume, eine Wohnung für den Aufseher, eine Kutscherstube und eine Mahlmühle mit 4 Gängen
untergebracht sind. Die Schneidemühle ist in einem separaten Gebäude eingerichtet. Im Jahre 1863 zeigen sich bei Fritz Kübler die Anfänge einer schweren Krankheit, welcher er schon bald erliegen sollte. Am 2. Mai 1865 erlöst ihn der Tod von seinem Leiden. Altert Niethammer baut 1860/61 die Holzschleiferei Georgenthal (im Erzgebirge, zwischen Johanngeorgenstadt und Schwarzenberg, am Fluss „Schwarzwasser“). Damit schafft er die Voraussetzung für den weiteren Betrieb in Kriebstein. Der in Georgenthal erzeugte Holzschliff wird, in Fässer verpackt, per Eisenbahn und Pferdefuhrwerk nach Kriebstein gebracht. Außerdem ist Georgenthal das erste Unternehmen in Deutschland, welches Holzschliff (Holzmasse) herstellt und an fremde Papierfabriken verkauft. Die gewonnene Holzmasseproduktion führt dazu, dass 1862 eine zweite Papiermaschine in Kriebstein aufgestellt werden kann. Fehlendes Geld und das Pachtverhältnis - Pohl wollte eine neue Papiermaschine nach Pachtablauf nicht übernehmen - begrenzt das Vorhaben. So wird aus einer Anzahl Reserveteile mit den bescheidenen Mitteln einer kleinen Reparaturwerkstatt eine leidlich geeignete Papiermaschine zusammengestellt, deren Gestell und Fundamente aus Holz sind und halten gerade so lange, bis sie durch eine neue
ersetzt werden kann. Erst durch Drängen Pohls lässt sich Albert Niethammer zum Kauf von Kriebstein überreden. Am 15. März 1867 geht Kriebstein in den Besitz von Herrn Albert Niethammer über. Aus Achtung vor seinem Freund und Geschäftspartner behält Albert Niethammer das Firmenlogo „Kübler & Niethammer“ bei.
Zunächst muss die Wasserkraft erneuert werden und die äußerst mangelhafte Holländeranlage ist zu ersetzen. Im Frühjahr 1868 begonnen, kann die Anlage mit 3 Turbinen und 10 Holländern nebst
Zubehör Anfang 1869 dem Betrieb übergeben werden. Die Errichtung einer eigenen Gasanstalt zum Herstellen von Leuchtgas 1869 bringt durch das Beleuchten der Fabrik- und Arbeitsräume größere Betriebssicherheit und besondere Arbeitsbedingungen. Die erste neue Papiermaschine - die Dritte -, eine notwendige Folge der neuen Holländeranlage und im Hinblick auf die Mangelhaftigkeit der beiden anderen Maschinen ein dringendes Bedürfnis, kommt am 16. Nov. 1871 in Gang. Albert Niethammer hat sich des Mahlzwanges entledigt und an Stelle der Mahlmühle die neue Papiermaschine III (PM 3) aufgestellt.
Ein Hauptanliegen ist von Anfang an der Brandschutz. Das Vorhalten von entsprechenden Brandbekämpfungsmitteln und der Umgang der Belegschaft mit solchen, muss schon Albert Niethammer als Pächter nachweisen. 1873 gründet Herr Niethammer die „Freiwillige Fabrikfeuerwehr“. Bis 1923 ist sie in Räumlichkeiten des Werkes Kriebstein untergebracht. Nach der Einbezirkung des Fabrikbezirkes Kriebstein in die Gemeinde Kriebethal 1923 übernimmt die Firma den Brandschutz der gesamten Gemeinde. Dazu wird neben der Eisenbahnbrücke ein neues FW-Gerätehaus errichtet. Die Schwierigkeiten, welche die steilen Berge neben der Papierfabrik
den Transport der Ware entgegenstellten, führen dazu, von Anbeginn den Bau einer Talstraße nach Waldheim ins Auge zu fassen. Im Jahre 1870 ist der Bau einer Straße durch Kriebethal mit einer Brücke über die Zschopau und durch die Gemarkung Schönberg gesichert. Im Juni 1872 wird die Straße Kriebstein den Verkehr übernehmen. Im Frühjahr 1873 schreitet Albert Niethammer zum Ausbau der inzwischen erworbenen Kriebethaler Wasserkraft. Er kauft die nötigen Grundstücke von Herrn Sahrer von Sahr zu Ehrenberg. Dieser Kauf ist für Herrn Niethammer nicht billig (der Kauf ist belegt). Ende Februar 1874 kommt die neue Holzschleiferei in Kriebethal in Gang und den gewonnen Holzschliff transportiert eine Pferdebahn entlang der neuen Straße nach Kriebstein. Einige Jahre später schon wird die Stoffbahn elektrifiziert.
1879 zieht die Familie Niethammer in die neu gebaute Villa um. Das bisher auch Wohnzwecken dienende Fabrikgebäude fällt wenig später dem teilweisen Abriss zum Opfer für das Fabrikgebäude PM 4. Später wird die Villa um eine Etage aufgestockt. Am 20. Nov. 1879 kommt eine neue Papiermaschine in Gang, welche an Stelle der alten zweiten Maschine aufgestellt wird. Die Inbetriebnahme eines Bischoff’schen Rollapparates in Kriebstein 1877 - des ersten in Sachsen - hat zur Folge, dass Kriebstein sich mehr und mehr der Herstellung von Rollendruckpapier zuwendet. Am 1. Juli 1880 kommt die neue PM 4 mit der damals ungewöhnlichen
Breite von 2,56 m beschnittenen Papiers in Gang. Mit allen diesen Anlagen ist bis 1880 die Vergrößerung der Dampfkesselanlage durch Aufstellen drei neuer Kessel, den Bau einer neuen Esse, der Bau einer Reparaturwerkstatt und die Vervollständigung der zum Sortieren, Kochen und Bleichen der Hadern, zum Glätten und Verpacken des Papiers nötigen Apparate Hand in Hand gegangen.
Im Frühjahr 1883 wird der Bau der Zellulose-Fabrik Gröditz begonnen. Durch Patentstreitigkeiten dürfen zu dieser Zeit derartige Fabriken in Sachsen nicht errichtet werden. Gröditz ist damals die nächstliegende Gemeinde außerhalb Sachsens an einem Fluss - der Großen Röder - und einem Bahnanschluss. Nun kann außer mechanisch hergestelltem Holzschliff auch chemisch hergestellte Holzmasse in Kriebstein verarbeitet werden. 1885 kauft Albert Niethammer eine amerikanische Papiermaschine mit „Harper’scher Nasspartie“, die Papiermaschine V (PM5). Außerdem ist sie die erste Papiermaschine in Deutschland, welche mit Triktionskupplungen versehen ist. Diese Maschine kommt 1886 zur
Aufstellung, nachdem die erforderlichen Gebäude hergestellt werden. Diese kommen über dem zu Kriebstein gehörenden Flussteil zu stehen. Hier sind Papiermaschine, Dampfturbine und Holländer in 3 Etagen übereinander angeordnet. Die Papiermaschine in die erste Etage zu legen, bewährt sich so gut, dass es auch später beibehalten und anderwarts mehr und mehr eingeführt wird. Im Jahr 1887 wird das neue Kontorgebäude (Verwaltungsgebäude) bezogen. Gleichzeitig werden Fabrik und Wohngebäude teilweise mit elektrischem Licht versehen. Um den Betrieb auch bei niedrigem Wasser aufrecht erhalten zu können, wird 1888 eine Hilfsdampfmaschine mit 150 PS aufgestellt, zu der 1895 noch eine weitere mit 240 PS kommt. Durch Kauf der abgebrannten Diedenhainer Mühle und weiterer Grundstücke wird in den Jahren 1888 bis 1889 auf Meinsberger Flur eine Papierfabrik mit der Papiermaschine VI (PM6) errichtet. Die
neuen Maschinen und aller Baubedarf muss vom Bahnhof Waldheim den Meinsberger Berg hinauf und vom Dorf Meinsberg hinab zur Zschopau mit Pferdefuhrwerken gebracht werden. Die Niethammer’sche Straße vom Bahnhof Waldheim zur Papierfabrik Meinsberg kann nicht termingerecht fertig gebaut werden. 1893 fällt die Entscheidung zum Bahnbau. Schon längst sind die An- und Abfuhrverhältnisse zwischen den Niethammer’schen Fabriken und dem Bahnhof Waldheim äußerst schwierig geworden.Wenn es auch gelungen ist, die steile Waldheimer Bahnhofstraße durch eine Güterstraße mit günstigen Steigungsverhältnissen zu ersetzen (obere und untere Härtelstraße), so ist der Verkehr mit etwa
40 eigenen Pferden und Lohngeschirren nicht mehr ordnungsgemäß zu bewältigen. So kommt es am 10. Dez. 1896 zur Eröffnung der Staatsbahn Waldheim - Kriebethal Bahnhof und der Eröffnung der Gleisanschlüsse in die Werke Kriebstein und Kriebethal. Die Gleisanschlüsse in die Werke sind Anschlussbahnen der Firma. 1892 ist in Kriebstein eine neue Kesselanlage mit Esse errichtet und in der Zeit von 1892 bis 1898 allein für neue Maschinen ein Betrag
von über RM 150.000 aufgewendet worden. Gilt es doch, 3 Papiermaschinen und die gesamte Holländeranlage für 4 Maschinen zu ersetzen, eine Zentralwasseranlage, Abwasserklärung, Bleicherei für Zellulose und eine Kalanderanlage neu anzulegen. Vorhandene Gebäude um- und neue dazu zu bauen, unter möglichster Aufrechterhaltung des Betriebes. Im Jahre 1900 wird mit einer neuen Kläranlage für das Fabrikationswasser, einen Zentralpumpwerk mit Wasserturm der Anfang gemacht. Alle wassertechnischen Arbeiten - Frisch- und Abwasser - erledigt seit etlichen Jahren eine Fachfirma aus Freiberg. Sie weist ihre Arbeiten bei der Firma Kübler & Niethammer als Referenzprojekte aus. Diese Firma erledigt auch die gesamten Arbeiten für den Bau der Kriebethaler Trinkwasserleitung 1910-1916. 1901 schließt sich der Bau eines Kalandergebäudes mit 7 Kalandern, die neu sind, und einer elektrischen Kraftübertragungsanlage an. 1902
werden die drei ältesten Papiermaschinen entfernt, zwei davon durch zwei neue von der Firma Voith, Heidenheim, gelieferte Maschinen ersetzt, die dritte modernisiert an anderer Stelle wieder aufgestellt. 1903 wird das alte hölzerne Wehr durch ein steinernes ersetzt. Mit dem Umbau des Holländersaales wird 1903 begonnen, welcher sich bis 1905 hinzieht. Gleichzeitig wird eine neue Filteranlage zur Reinigung der Abwässer gebaut. Im Sommer 1904 entschließt man sich, als abnormale Trockenheit die benötigte Holzmasseproduktion in Frage stellt, zum Bau einer weiteren Dampfschleiferei mit 3.000 ind. Pferdestärken. Die Fabrik, die zwischen den Kriebsteiner und Kriebethaler Fabriken zu stehen kommt und im Sept. 1905 dem Betrieb übergeben wird, erhält den Namen „Kriebenau“. Soweit der Aufbau des Werkes Kriebstein in den ersten 50 Jahren von 1856-1906. Abschweifungen zu anderen Betriebsteilen haben immer etwas mit dem Stammwerk Kriebstein zu tun. Nach 50 Jahren Stammwerk der Firma Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein macht sich für die nächsten 45 Jahre eine (dritte) Fortsetzung nötig. Ein neues Kesselhaus wird 1911 in Kriebstein gebaut und eine neue Dampfturbine in Betrieb genommen (Abriss dieses Kesselhauses 2005/2006). Außerdem werden zwei neue Kalander und ein Querschneider aufgestellt. Fortsetzung der Elektrifizierung in Kriebstein 1912. Die Papiermaschinen
erhalten Streiter-Entlüftungen. Umbau der Papiermaschine I (PM1) zwei neue Kratzer für die Abwasserklärung werden aufgestellt. An der Papiermaschine II (PM2) wird 1913 die Trockenpartie erweitert. Der Neubau des Papiersaales und der Bau eines Gebäudes für die Erdeauflösung werden 1914 getätigt. Durch Gebäudeumbau kann man alle Holländer in einem Fabrikgebäude vereinigen. 1914 bis 1918 unterkellert die Firma den Fabrikhof im Werk Kriebstein für Lagerzwecke und stellt einen dritten Kratzer in Kriebstein für die Abwasserklärung auf. Ein Rotationsquerschneider, der erste in Deutschland, wird 1919 aufgestellt. Bau der Pförtnerloge in Kriebstein (nicht der angrenzende Parkplatz). Die PM II wird 1920
umgebaut und vergrößert. Die PM IV wird abgebrochen und durch eine neue Papiermaschine ersetzt. Ausbau der Wasserkraft mit drei neuen Wasserturbinen. In diesem Jahr werden Arbeiten am Hochwasserschutz durchgeführt. Die PM V wird 1921 durch eine neue PM ersetzt. 1923 baut man eine neue Schlosserei. Vergrößerung der Lagerräume für Bleicherde und deren Verarbeitung. Aufstellen eines weiteren Querschneiders. Der Abriss der Holzbrücke unterhalb der Burg beginnt 1924. Der gesamte Fahrverkehr von Kriebethal zum Bahnhof, nach Ehrenberg und weiter, und zurück, verläuft über die Holzbrücke. Die Verkehrsführung von und zur Holzbrücke verläuft über den Fabrikhof derFirma. Zur Zeit fährt täglich das Rittergut Ehrenberg die Milch über die Holzbrücke und den Fabrikhof nach Waldheim und zurück. Ein Laboratorium wird 1925 im Betriebsteil Kriebstein für die Firma eingerichtet. 1926 wird in Kriebstein eine Gegenturbine aufgestellt, sowie zwei neue Kratzer zum Klären von Abwasser in Betrieb genommen. Aufstellen eines maschinenbreiten Kalanders unmittelbar anschließend an die PM V. 1928 Einrichtung einer Badeanlage in Kriebstein, hinter dem Kesselhaus, für medizinische Bäder, Heil- und Reinigungsbäder. Herr Niethammer pachtet 1930 das neue Kraftwerk an der Staumauer. Der Strom wird ins Werk Kriebstein eingespeist und bis Kriebenau und Kriebethal abgegeben. Unter diesen Voraussetzungen wird in Kriebenau ein 4.500-PS-Elektromotor (viertausenfünfhundert PS) aufgestellt zum Antrieb der Stetig-Schleifer. Dadurch wird in Kriebenau die Kraftanlage und das Kesselhaus stillgelegt. In Kriebstein
laufen weiterhin 3 Wasserturbinen zur Stromerzeugung.In Kriebstein wird an der PM 4 der Einbau einer Einführpresse und an der PM 5 die Vergrößerung der Feuchtglätte durch Einbau einer dritten Walze durchgeführt.
Die PM 5 erhält 1933 ebenfalls eine Einführungspresse. Sämtliche Papiermaschinen erhalten in diesem Jahr Feuchtigkeitsregler. Dazu wird Askania-Regulierung eingebaut. Durch Einbau einer dritten Walze an der PM 1 und PM 4 wird 1934 die Feuchtglätte vergrößert. Eine Sauggautsche bekommt die PM 5. Außerdem nimmt eine 3-Seiten-Schneidemaschine ihren Betrieb auf. In Kriebstein 1935: PM 1 u. PM 4 - Einbau von Sauggautschen - Einbau von Waschsaugern
PM 1, PM 4 u. PM 5 - Einbau von Warmluft-Filztrocknungsanlagen Erneuerung der Kessel- und Kraftanlage in Kriebstein 1936 mit Aufstellen eines neuen Kessels und einer AEG-Entnahme-Dampfturbine. 1938 an der PM5 Einbau einer Doppelpresse, sowie Vergrößerung der Trockenpartie und neuer Transmission. In Kriebstein wird 1938 am Aufbau eines Holzfaser-Forschungs-Laboratoriums gearbeitet. Das Labor wird noch 1938 verlegt und vergrößert (Mitarbeiter Dr. Kurt Schwabe). Besondere Beachtung wird der Verarbeitung von Kiefernholz in der Papierindustrie beigemessen. In diesem Labor wird 1939 ein Verfahren entwickelt, dass die aus dem hohen Harzgehalt resultierenden Schwierigkeiten
weitestgehend beseitigt. Ein 4-Pressen-Schleifer aus der ehemaligen Schleiferei Meinsberg wird in Kriebstein aufgestellt. 1940 wird der für die Papiererzeugung eingesetzte Holzschliff zu 31 Prozent aus Kiefernholz geschliffen.
1941 - ein Großfeuer in der ehemaligen Papierfabrik Meinsberg zerstört das Schleiferei-Gebäude. Dieses wird umgehend wieder aufgebaut. 1939 müssen ausgesuchte Keller in den Werken Kriebstein, Kriebethal und Kriebenau zu Luftschutzkellern um- und ausgebaut werden. Alle in der Firma beschäftigten Kriebethaler Mitarbeiter müssen zwischen 1939 u. 1945 bei Fliegeralarm in den jeweiligen Betriebsteilen erscheinen. (Sehr geehrter Leser des Kriebsteiner Gemeindeboten, der Um- und Erweiterungsbau der Kriebsteiner Betriebsküche 1941/42 kann zum Abschluss gebracht werden. n.b.: Im Werk Kriebethal soll die neue PM 6 gebaut werden, Dampfturbine und Stoffaufbereitung so nah wie möglich ans Kesselhaus, das Gebäude auf dem Fabrikhof neben das Gebäude der Maschinen VII u. VIII. 1940 liegt die Baugenehmigung auf dem Tisch der Firma. 1942 nimmt man diese zurück, die Firma möge mit dem Bau bis nach dem Endsieg warten. n.b.: 1947 möchte Prof. Dr. Kurt Schwabe die ehemalige Papierfabrik Meinsberg käuflich erwerben. Dieses geht aus Schriftverkehr zwischen ihm und der SED-Kreisleitung Döbeln hervor. Am 22. April 1945 werden Straßenbrücken und Bahnbrücken über die Zschopau gesprengt, damit die Fabriken stillgelegt. Unter großen Schwierigkeiten kann im August 1945 auf zwei Maschinen wieder produziert werden. Bevor die Kriebsteiner Brücke nicht befahrbar
ist, können die sowjetischen Demontagetruppen ihren Befehl zur Demontage nicht erfüllen. Am 10. März 1946 besetzen sowjetische Truppen die Betriebsstätten - die Demontage beginnt am 11.03. - am 6. Okt. 1946 ist alles ausgeräumt,
die Demontage beendet. 90 Jahre nach Gründung der Papierfabrik Kübler & Niethammer am 15. März 1856 werden die Hallen leergeräumt. 9 Jahre später - 99 Jahre nach jenem 15. März 1856 - beginnen sich Mitte März 1955 die Räder
einer neu aufgebauten Papierfabrik in Kriebethal wieder zu drehen.

Quelle: Günter Möbius, Ortschronist- Kriebsteiner Gemeindebote 9/10/11/2012

Nach 1947

Viele Kriebsteiner Werkhallen stehen seit 1946 leer.

Ein Betrieb wird wegen Bombenangriffen von Teltow bei Berlin nach Kriebstein verlagert. Die Firma Paul Görges stellt Tüten und Beutel aus verschiedenen Papieren her. Anfangs privates Unternehmen, später ein Treuhand-Unternehmen, zuletzt ein VEB bis 1990.

Ein 1945 enteigneter Unternehmer aus der Sitzmöbelbranche in Waldheim versucht einen neuen Anfang. Er mietet sich 1947 im Werk Kriebstein ein und baut mit einigen Mitarbeitern Möbel. 5 bis 6 Jahre dürfte die neue Firma in Kriebstein gearbeitet haben.

1947 mietet die SED-Kreisleitung Döbeln die Villa der Familie Gerhard Niethammer - am Burgberg bergauf rechts kurz vor der scharfen Rechtskurve - an zum Aufbau einer Parteischule. Später muss die Gemeinde ein Altenheim einrichten.
1948 wird ein neuer Betrieb - ein Volkseigener Betrieb - in den Kriebsteiner Hallen angesiedelt. Der VEAB - Volkseigener Erfassungs- und Aufkauf-Betrieb lagert von einer Ernte zur anderen mehrere tausend Tonnen Getreide ein - bis 1990.
Das VE Lagerkontor Tabak in Döbeln errichtet ein Tabaklager als Außenstelle in den leeren Kriebsteiner Werkhallen - bis 1990.

Ende der 1950er Jahre baut der VEB Papierfabrik in die ehemalige Wasserturbinenanlage in Kriebstein 3 Wasserturbinen ein - sie werden um 1975 stillgelegt.

Das ehemalige Kontorgebäude ist bis um 1965 Sitz der Verwaltung des VEB Papierfabrik Kriebstein. Um diese zeit zieht man dann in den errichteten Verwaltungs-Neubau um.

Anfang der 1960er Jahre etabliert sich mehrere Jahre die Sozialversicherung in diesem Gebäude.

Von etwa 1973 - 1979 praktiziert eine polnische Zahnärztin für polnische Bauarbeiter und die Bevölkerung im ehemaligen Verwaltungsgebäude. Auch hat ein Waldheimer Zahnarzt kurze Zeit im Verwaltungsgebäude gearbeitet.

Von Anfang der 1970er Jahre an ist von der Kirchgemeinde Waldheim ein Kirchraum zum Abhalten von Gottesdiensten im ehemaligen Verwaltungsgebäude eingerichtet worden. Nachdem die Räumlichkeit zweimal geplündert wurden und alles ausgeräumt wird, ist Ende der 1990er Jahre Schluss.

Über etliche Jahre ist die Sparkasse im ehemaligen Verwaltungsgebäude ansässig.

Bevor 1968 das Kulturhaus der Papierfabrik die Werkbücherei des VEB aufnimmt, ist auch diese viele Jahre im ehemaligen Verwaltungsgebäude untergebracht.

Das Archiv der Firma Kübler & Niethammer und des VEB Papierfabrik ist ebenfalls in einem Gebäude in Kriebstein beheimatet.

Eine Wohnung richtet der VEB im Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes ein. Diese ist mindestens seit 1955 bewohnt.

Bis etwa uns Jahr 2004 sind alle Bewohner der Niethammer’schen Villa ausgezogen.

Der VEB lässt in der Nähe der Zschopau Anfang der 1980er Jahre einige Gebäude abreißen. Etwa 2004/2005 fällt das 1911 gebaute Kesselhaus der Abrissbirne zum Opfer.

Quelle: Günter Möbius, Ortschronist- Kriebsteiner Gemeindebote 11/2012